Wie kann die Bau- und Immobilienwirtschaft wirksam zur Klimaneutralität beitragen? Dieser Frage widmete sich die Veranstaltung „ABE X Klimaneutrales Aachen“, die das Innovationsnetzwerk ABE (Aachen Building Experts) gemeinsam mit der Geschäftsstelle Klimaneutrales Aachen 2030 ausrichtete. Mehr als 40 Fachleute aus Planung, Projektentwicklung, Verwaltung, Bauwirtschaft und Politik diskutierten über Strategien und Praxisansätze für eine klimaneutrale Zukunft.
Aachen verfolgt das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. Zahlreiche ABE-Mitgliedsunternehmen haben den Klimastadtvertrag unterzeichnet und engagieren sich aktiv für dessen Umsetzung. Seit 2023, also von Beginn an, begleitet ABE diesen Prozess mit gemeinsamen Veranstaltungsformaten.
Ein zentrales Ergebnis des Austauschs: Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Bau- und Immobilienwirtschaft kann nur durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen. Architekturbüros, Projektentwickler, Ingenieurinnen und Ingenieure, kommunale Verwaltungen, Bauunternehmen, Handwerk und Politik stehen gleichermaßen in der Verantwortung, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Als Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette bietet ABE hierfür eine wichtige Plattform.
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der nachhaltigen Projektentwicklung. Der Beitrag von Henrik Weingartz, Projektleiter Smart Building bei der Landmarken AG, machte deutlich, dass die entscheidenden Weichen für die Klimawirkung eines Gebäudes bereits in frühen Projektphasen gestellt werden. Digitale Prozesse, intelligente Gebäudetechnik und frühzeitige Nachhaltigkeitsstrategien ermöglichen es, Ressourcen effizient einzusetzen und Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu reduzieren.
Große Aufmerksamkeit erhielt zudem das Thema zirkuläres Bauen. Wiederverwendete Baustoffe und Bauteile können den CO₂-Fußabdruck von Bauprojekten erheblich senken. Ines Naumann, Leiterin des Kompetenzzentrums Nachhaltig Bauen bei Kempen Krause Ingenieure GmbH, zeigte in ihrem Impuls: Besonders die Wiederverwendung von Tragwerksstrukturen bietet großes Potenzial zur Reduktion grauer Emissionen. Gleichzeitig kann die Kreislaufwirtschaft dazu beitragen, Ressourcenengpässen und steigenden Materialkosten entgegenzuwirken.
Einen kommunalen Blick auf die Herausforderungen der Transformation brachte Ricarda Bruns ein, die neue technische Betriebsleiterin des Gebäudemanagements der Stadt Aachen. Sie verdeutlichte: Kommunales Gebäudemanagement umfasst heute weit mehr als den Betrieb von Gebäuden. Nachhaltigkeitsziele müssen konsequent in Neubau-, Sanierungs- und Betriebsprozesse integriert werden. Voraussetzung dafür ist eine langfristige Strategie, die den gesamten Lebenszyklus kommunaler Bauwerke berücksichtigt.
Marco Rack, Projektleiter des EU-Projekts GRIP und Teamleiter im Vergabemanagement der Stadt Aachen, diskutierte gemeinsam mit Dr. Jan Peter Müller, Fachanwalt für Vergaberecht bei GÖRG Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB, die Weiterentwicklung kommunaler Vergabeleitlinien. Dabei wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit, Resilienz und Innovation künftig stärker als Qualitätskriterien in Vergabeverfahren berücksichtigt werden sollen. Über eine interaktive Mentimeter-Abfrage wurden auch die Teilnehmenden aktiv eingebunden und konnten ihre Erfahrungen und Einschätzungen einbringen.
Die Veranstaltung zeigte, dass in der Region Aachen bereits zahlreiche Kompetenzen und Initiativen vorhanden sind, um die Bauwende aktiv mitzugestalten. Formate wie „ABE X Klimaneutrales Aachen“ leisten dabei einen wichtigen Beitrag zum Dialog zwischen den Akteuren – denn Klimaneutralität gelingt nur, wenn Innovation, Wirtschaftlichkeit und politische Rahmenbedingungen gemeinsam gedacht werden.
Text: Manuela Wetzel (ABE)
Fotos: Janina Tassisto (ABE)

