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Baukongress 2026 im Rückblick | Fachsession: Partnerschaftliche Planungs- und Abwicklungsformen – Eine Frage der Kultur?

20. Juli 2026

Alleinstellungsmerkmal des unter dem Dach von F. A. Z.-Konferenzen mit ABE alle zwei Jahre organisierten Baukongresses ist das unmittelbare Zusammenbringen von Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft. Beim 3. Baukongress im Juni in Aachen gab es allein neun Fachsessions, exklusiv vorbereitet für den Baukongress durch rund 90 Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft und Wirtschaft

Wie Projekte organisiert werden, entscheidet maßgeblich darüber, ob sie erfolgreich verlaufen. Diese zentrale These zog sich durch die Fachsession „Partnerschaftliche Planungs- und Abwicklungsformen – Eine Frage der Kultur?“, moderiert von Thomas Korr (Carpus+Partner AG). Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass die gewählte Projektabwicklungsform die Voraussetzungen für eine funktionierende Zusammenarbeit schafft. Die Referenten zeigten anhand unterschiedlicher Perspektiven auf, warum partnerschaftliche Modelle zunehmend an Bedeutung gewinnen – und weshalb ihr Erfolg letztlich von einem kulturellen Wandel abhängt.

Den Auftakt machte Dr. Thomas Wilk mit einer grundsätzlichen Einordnung. Mehr als zehn Jahre nach dem Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ sei die flächendeckende Einführung von BIM weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die technischen Möglichkeiten seien längst vorhanden – die eigentliche Herausforderung liege im Mindset. Noch immer dominierten Silodenken und eine auf Einzelinteressen ausgerichtete Projektkultur. BIM bedeute jedoch weit mehr als digitale Modelle: Es stehe für das kollaborative Arbeiten an einer gemeinsamen Datenbasis und erfordere ein grundsätzlich anderes Verständnis von Zusammenarbeit.

Wilk ordnete diese Entwicklung in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Deutschland stehe angesichts wachsender Investitionsbedarfe und hoher Innovationsanforderungen vor der Aufgabe, etablierte Strukturen zu hinterfragen. Bürokratie sei grundsätzlich ein Garant für Rechtsstaatlichkeit und Transparenz, habe jedoch in vielen Bereichen ein Ausmaß erreicht, das notwendige Entwicklungen erschwere. Statt immer wieder bei null zu beginnen, müsse vorhandenes Wissen konsequenter genutzt werden – etwa bei BIM-basierten Baugenehmigungsverfahren, für die bereits zahlreiche Grundlagen existierten. Sein Fazit: Der entscheidende Hebel liege nicht in neuen Technologien, sondern im Mut, Entscheidungen zu treffen und Zusammenarbeit neu zu denken – von der politischen Ebene bis auf die Baustelle.

Prof. Stefan Leupertz richtete den Blick auf die strukturellen Voraussetzungen partnerschaftlicher Projektabwicklung. Bauprojekte seien von Natur aus iterative Prozesse, in denen sich Anforderungen und Lösungen kontinuierlich weiterentwickelten. Dennoch würden Projekte häufig so organisiert, als ließe sich jeder denkbare Fall vertraglich regeln. Diese Vorstellung einer vollständigen Vertragswelt greife jedoch zu kurz. Verträge könnten nicht alle Entwicklungen eines komplexen Projekts vorhersehen.

Stattdessen plädierte Leupertz dafür, Zusammenarbeit von Beginn an gemeinsam zu gestalten und Risiken transparent zu machen. Die bestehenden Vertragsstrukturen seien überwiegend auf Sanktionen und Konfliktbewältigung ausgerichtet, obwohl gerade komplexe Projekte kooperative Lösungen benötigten. Rechtssysteme seien darauf ausgelegt, Verstöße zu bewerten, nicht aber kreative Problemlösungen zu entwickeln. Deshalb brauche integriertes Planen und Bauen ergänzende Spielregeln für Kooperation, Vertrauen und gemeinsames Handeln. Sein Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: Partnerschaftliche Projektabwicklung lasse sich nicht allein mit klassischen Vertragsmodellen erreichen.

Wie sich diese Grundsätze praktisch umsetzen lassen, zeigte Dr.-Ing. David Peters anhand unterschiedlicher partnerschaftlicher Abwicklungsmodelle. Er machte deutlich, dass das klassische sequenzielle Vorgehen – zunächst Planung, anschließend Ausführung – nur bei überschaubarer Komplexität zuverlässig funktioniere. Mit zunehmender Komplexität, wie sie sich beispielsweise anhand der Stacy-Matrix beschreiben lässt, stoße dieses Modell an seine Grenzen.

Als konsequenteste Form partnerschaftlicher Zusammenarbeit gilt die Integrierte Projektabwicklung (IPA). Sie bringt Auftraggeber, Planer und Ausführende bereits vor Projektbeginn an einen Tisch, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Risiken zu bewerten. Statt den günstigsten Preis in den Mittelpunkt zu stellen, werden die Projektpartner nach Kompetenz ausgewählt. Risiken und Chancen werden gemeinsam getragen und über ein gemeinsames Anreizsystem gesteuert. Dadurch verlieren partikulare Einzelinteressen an Bedeutung und die Beteiligten arbeiten auf ein gemeinsames Projektergebnis hin.

Gleichzeitig machte Peters deutlich, dass IPA aufgrund ihrer hohen Anforderungen an Organisation und Auftraggeberkompetenz vor allem bei sehr großen Bauvorhaben eingesetzt wird. Die zugrunde liegenden Prinzipien ließen sich jedoch auch auf kleinere Projekte übertragen. Modelle wie PartnerING oder das von CP Bauteam praktizierte Bauteammodell („IPA as a Service“) schaffen hierfür pragmatische Ansätze. Kennzeichnend sind ergänzende Kooperationsvereinbarungen, eine ausgeprägte No-Blame-Kultur sowie Führungsstrukturen, die Zusammenarbeit aktiv fördern. Entscheidend sei letztlich nicht allein das Vertragswerk, sondern die Haltung aller Beteiligten. Kultur entstehe aus dem System – und müsse durch geeignetes Führungsverhalten bewusst entwickelt werden.

Die Fachsession machte deutlich, dass partnerschaftliche Projektabwicklung weit mehr ist als eine alternative Vertragsform. Sie stellt einen grundlegenden Kulturwandel dar, der auf Vertrauen, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung basiert. BIM, integrierte Planung und partnerschaftliche Modelle entfalten ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn technische Innovationen mit einer neuen Form der Zusammenarbeit verbunden werden. Wenn Auftraggeber, Planer und Ausführende frühzeitig zusammenarbeiten und Verantwortung teilen, können komplexe Bauprojekte künftig effizienter, wirtschaftlicher und erfolgreicher umgesetzt werden.

Entstanden war die Idee zu dieser Fachsession in einer ABE-Arbeitsgruppe interessierter ABE-Mitgliedsunternehmen. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Krause, ABE-Vorstand und Geschäftsführender Gesellschafter Kempen Krause Ingenieure GmbH, brachte die Idee in die Vorbereitung des Baukongress ein und setzte sie im Programm um.

Die Fachsession „Partnerschaftliche Planungs- und Abwicklungsformen – Eine Frage der Kultur?” fand großen Anklang und lebhaften Austausch (v. l. n. r.: Thomas Korr, Dr.-Ing. David Peters, Prof. Stefan Leupertz, Dr. Thomas Wilk). © Bild: F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH (Jörn Wolter)